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Swirka
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Swirka (bulgarisch сĐČорĐșа), auch svĂ­rka, svirche, svorche, pistalka, cafĂĄra, cĂ©vnica, owtscharska swirka (ĐŸĐČчарсĐșа сĐČорĐșа, „SchĂ€ferflöte“), ist eine einteilige Kernspaltflöte oder Endkantenflöte (randgeblasene LĂ€ngsflöte), die in der bulgarischen Volksmusik gespielt wird. Sie ist nach der bekannteren, dreiteiligen LĂ€ngsflöte kavĂĄl ohne MundstĂŒck ein traditionelles Instrument der SchĂ€fer und wird vorwiegend in der Volkstanzmusik gespielt. Swirka ist die allgemeine bulgarische Bezeichnung fĂŒr „Flöte“, die auch Varianten der kavĂĄl (ein tĂŒrkischer Name) umfasst, und fĂŒr „Pfeife“.

Contents

‱ Literatur
‱ Weblinks

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Herkunft und Etymologie

Die swirka gehört zu einer Gruppe einfacher LĂ€ngsflöten, die vom Balkan ĂŒber Anatolien bis Zentralasien als Hirtenflöten bekannt sind und deren WertschĂ€tzung aus Volkslegenden hervorgeht. Unter den rumĂ€nischen Flöten (fluier) zĂ€hlen die lange caval und die tilincă, eine sehr alte Form einer Flöte ohne Grifflöcher, zu den Hirtenflöten. Die Tradition der Hirtenflöten mit und ohne MundstĂŒck erstreckt sich ĂŒber Anatolien (tĂŒrkisch kaval, kurdisch bilĂ»r), Armenien (blul) und arabische LĂ€nder im Nahen Osten (schabbaba) bis nach Zentralasien (tulak und tĂŒidĂŒk). In Malereien an KirchenwĂ€nden in RumĂ€nien, die aus dem 16./17. Jahrhundert erhalten sind, erscheint bei biblischen Szenen von Jesu Geburt hĂ€ufig ein Flöte spielender SchĂ€fer.cite-ref-1[1]

Etymologisch steht das Wort swirka mit serbokroatisch svirala (сĐČОрала, Plural svirale) in Verbindung, dem allgemeinen Namen fĂŒr Kernspaltflöten in den LĂ€ndern des ehemaligen Jugoslawien, die zu den SchĂ€ferflöten zĂ€hlen.cite-ref-2[2] In Bosnien bezeichnet svirala auch eine mundstĂŒcklose LĂ€ngsflöte. Verwandt sind serbokroatisch sviralischte („Pfeifenstock“) und sviraljka („Blasinstrument“).cite-ref-3[3] Das zu bulgarisch swirka gehörige Verb ist swirja (сĐČоря, „pfeifen“). Swirel (сĐČĐžŃ€Đ”Đ»ŃŒ) ist eine paarweise gespielte Kernspaltflöte im Westen von Russland.cite-ref-4[4] Allgemein werden russische Kernspaltflöten dudka genannt. Curt Sachs (1930) hĂ€lt das serbokroatische svirala mit der ursprĂŒnglich umfassenden Bedeutung „Blasinstrument“ und das deutsche Wort schwegel fĂŒr urverwandt. Schwegel, schwĂ€gel oder schwigel ist in der deutschen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts eine Einhandflöte. Das Wort stammt vom althochdeutschen suegala ab und ist wahrscheinlich mit lateinisch sibilo verwandt.cite-ref-5[5] Sviriti (svirjati, svirati) mit der Bedeutung „pfeifen“ ist altkirchenslawisch (altbulgarisch)cite-ref-6[6] und bedeutet (in den Entsprechungen bis heute) darĂŒber hinaus allgemein das Spielen eines Musikinstruments.cite-ref-7[7] Im altkirchenslawischen Codex Suprasliensis vom Anfang des 11. Jahrhunderts werden Volksmusikinstrumente genannt, unter anderem die Flöte svireli und die Fiedel gusla.cite-ref-8[8]

Swirka, genauer owtscharska swirka, die „SchĂ€ferflöte“, und das frĂŒher aus einem Pflanzenrohr hergestellte Blasinstrument pischtalka (oder die Pfeife swirka pischtjalka) waren die ersten Musikinstrumente, die Kinder auf dem Land erlernten. Bezogen auf das verwandte Verb swirja, „ich spiele“, konnte swirka als Flöte in der Hand eines SchĂ€ferjungen sinngemĂ€ĂŸ auch mit „Spielzeug“ ĂŒbersetzt werden.cite-ref-9[9] Flöten und alle anderen Volksmusikinstrumente wurden und werden in Bulgarien – von Ausnahmen abgesehen – nur von Jungen und MĂ€nnern gespielt.cite-ref-bulgaria571-10-0[10] Swirka funijka ist eine Spielzeug-Trichterpfeife aus Kunststoff; weitere Wortzusammensetzungen – wie sportna swirka, „Trillerpfeife“ – stehen fĂŒr unterschiedliche Pfeifentypen.cite-ref-11[11]

Eine kleine, 27 Zentimeter lange Knochenflöte mit sechs Fingerlöchern, die bei Panagjurischte gefunden wurde und in das 12. Jahrhundert oder frĂŒher datiert wird, gilt als VorlĂ€ufer der heutigen bulgarischen Hirtenflöten.cite-ref-12[12] Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die swirka aus dem Knochen eines Mönchsgeiers (Aegipius monahus) angefertigt, dessen Name in der Pirinregion karta lautet. Daher wird dort die Flöte karta genannt.

Bauform und Spielweise

Die swirka ist ein 25 bis 50 Zentimeter langes, einteiliges Rohr aus einem PflanzenstĂ€ngel (wie Holunder) oder aus Holz mit einem Innendurchmesser zwischen 10 und 15 Millimetern. Das Rohr ist an beiden Enden offen. Bei einer Flöte aus Pflanzenrohr und mit MundstĂŒck ist dieses ein Halmknoten; die dahinter eingeschnittene Öffnung ist an der unteren Kante, an der sich der Luftstrom bricht, nach innen geschrĂ€gt. Bei einer Endkantenflöte ist das Spielrohr am offenen Ende zugespitzt. Der Musiker hĂ€lt die Flöte etwas seitlich und lenkt den Luftstrom durch die wie beim Pfeifen geformten Lippen gegen die scharfe Kante des Rohrs. FĂŒr selbst hergestellte Flöten werden junge Holunderzweige (Sambucus nigra), Zweige der Manna-Esche (Fraxinus ornus), andere leicht zu bearbeitende Holzarten oder Schilfrohr verwendet. Handwerklich gefertigte Flöten bestehen aus Pflaumenholz, Hartriegel oder dem Holz der Hainbuche.

Die sechs Fingerlöcher sind in der fernen HĂ€lfte der Spielröhre so angebracht, dass sich das erste Fingerloch genau in deren Mitte befindet. Manche Flöten besitzen zusĂ€tzlich ein Daumenloch unterhalb des ersten Fingerlochs. Zeige-, Mittel- und Ringfinger beider HĂ€nde greifen jeweils drei Fingerlöcher. Das Instrument produziert eine diatonische Durtonleiter bei zwei Oktaven Tonumfang. Die obere Oktave entsteht durch Überblasen. Es ist möglich, durch halbes Schließen der Öffnungen weitere chromatische Töne zu produzieren. Erwachsene verwenden etwas lĂ€ngere Flöten mit dem Grundton g der ersten Oktave, wĂ€hrend kleine Kinder mit kĂŒrzeren Flöten spielen, deren Grundton auf das c oder d der oberen Oktave bei der Flöte der Erwachsenen gestimmt ist.cite-ref-13[13]

Die swirka ist in ganz Bulgarien verbreitet, sie dient zur Begleitung von VolkstĂ€nzen und von volksreligiösen BrĂ€uchen. Die bulgarischen VolkstĂ€nze (horo) sind in der Regel lebhafte ReigentĂ€nze und basieren auf ungleichmĂ€ĂŸigen ZĂ€hlzeiten (etwa 5/16- und 7/16-Takte). Sie werden stilistisch nach Regionen unterteilt und gehörten frĂŒher an Sonn- und Feiertagen zur Unterhaltung auf den DorfplĂ€tzen.cite-ref-14[14] Die Gesangstradition ist wie die Landwirtschaft eine DomĂ€ne der Frauen, auch wenn frĂŒher MĂ€nner, die hauptsĂ€chlich mit Viehhaltung beschĂ€ftigt waren, ebenfalls Lieder sangen. Im Zentrum der bulgarischen Volksmusik stehen die gesungenen Lieder. Instrumentalmusik wurde frĂŒher danach beurteilt, ob sie ebenso schön wie die Gesangsstimme klang, was in der Redewendung zum Ausdruck kommt: kawalat swiri, gowori („wenn die Flöte spielt, spricht sie“). Dörfliche Volksmusik war ein Teil des tĂ€glichen Lebens und wurde neben der Arbeit, bei jeder Art von gemeinschaftlicher TĂ€tigkeit und besonders bei Jahresfesten von Amateuren aufgefĂŒhrt.cite-ref-bulgaria571-10-1[10]

Vier hauptsĂ€chliche Blasinstrumente gehören zu der von Amateuren gespielten Volksmusik: Das bekannteste ist die lange Hirtenflöte kavĂĄl, eine schrĂ€g angeblasene Endkantenflöte mit sieben Fingerlöchern. Ferner wird neben der swirka die senkrecht geblasene, kurze Kernspaltflöte dudĂșk gespielt, ebenfalls ein traditionelles Hirteninstrument. Hinzu kommt die Sackpfeife gajda.

Heute gibt es swirka aus Metall, die als Kinderspielzeug dienen. FrĂŒher stellten sich Kinder diverse Blasinstrumente selbst her, namentlich die pischtjĂĄlka-swĂ­rka, eine Pfeife aus einem Getreidehalm oder dem StĂ€ngel eines KĂŒrbisblattes (Cucurbita pepo). PischtjĂĄlka hieß auch ein drei bis vier Zentimeter langes Pfeifenrohr aus gerollter frischer Weidenrinde, das durch Blasen ĂŒber die angeschrĂ€gte Kante einen tiefen krĂ€chzenden Ton hervorbrachte.cite-ref-15[15] Ein weiteres Hirteninstrument ist die Doppelflöte dwojanka, die mit Ă€hnlichen Doppelflöten in der Region eine Gruppe bildet und von der wiederum einfachere Formen aus Stroh existieren (andere Namen sind pĂ­ska und glĂĄsnica).

Literatur

‱ Vergilij Atanassov: Svirka. In: Laurence Libin (Hrsg.): The Grove Dictionary of Musical Instruments. Band 4, Oxford University Press, Oxford/New York 2014, S. 662
‱ Stoyan Petrov, Magdalena Manolova, Donna A. Buchanan: Bulgaria. In: Stanley Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Music and Musicians. Band 4, Macmillan Publishers, London 2001, S. 569–583
‱ Christo Vakarelski: Bulgarische Volkskunde. De Gruyter, Berlin 1969, S. 194f, ISBN 3-11-000266-3

Weblinks

‱ Svirka (Pistjalka) Flute. National Museum of American History (Abbildung)

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Anca Florea: Wind and Percussion Instruments in Romanian Mural Painting. In: RIdIM/RCMI Newsletter, Band 22, Nr. 1, FrĂŒhjahr 1997, S. 23–30, hier S. 29
cite-note-22. ↑ Svirala. In: Laurence Libin (Hrsg.): The Grove Dictionary of Musical Instruments. Band 4, Oxford University Press, Oxford/New York 2014, S. 662
cite-note-33. ↑ Curt Sachs: Reallexikon der Musikinstrumente und zugleich Polyglossar fĂŒr das gesamte Instrumentengebiet. Julius Bard, Berlin 1913, S. 366
cite-note-44. ↑ Svirel. In: Laurence Libin (Hrsg.): The Grove Dictionary of Musical Instruments. Band 4, Oxford University Press, Oxford/New York 2014, S. 662
cite-note-55. ↑ Curt Sachs: Handbuch der Musikinstrumentenkunde. (1930) Nachdruck: Georg Olms, Hildesheim 1967, S. 306f
cite-note-66. ↑ Franz von Miklosich: Etymologisches Wörterbuch der slavischen Sprachen mit BerĂŒcksichtigung der anderen indogermanischen Sprachen und Dialekte; mit NachtrĂ€gen und einem Index der Wörter, die nicht als Schlagwörter auftreten. BraumĂŒller, Wien 1886, S. 331
cite-note-77. ↑ Christo Vakarelski: Bulgarische Volkskunde, 1969, S. 201
cite-note-88. ↑ Ivan Kachulev: Gadulkas in Bulgaria. In: The Galpin Society Journal, Band 16, Mai 1963, S. 95–107, hier S. 95
cite-note-99. ↑ Timothy Rice: May It Fill Your Soul: Experiencing Bulgarian Music. The University of Chicago Press, Chicago 1994, S. 44
cite-note-bulgaria571-1010. ↑ Bulgaria. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, S. 571
cite-note-1111. ↑ Vergilij Atanassov: Die bulgarischen Volksmusikinstrumente. Eine Systematik in Wort, Bild und Ton. (Ngoma. Studien zur Volksmusik und außereuropĂ€ischen Kunstmusik) Musikverlag Emil Katzbichler, MĂŒnchen/Salzburg 1983, S. 144, 167
cite-note-1212. ↑ Stoian Petrov: Bulgarian Popular Instruments. In: Journal of the International Folk Music Council, Band 12, 1960, S. 34
cite-note-1313. ↑ Vergilij Atanasov: Children’s Musical Instruments and Musical Playthings in Bulgaria. In: The World of Music, Band 29, Nr. 3 (Children’s Music and Musical Instruments) 1987, S. 68–85, hier S. 75
cite-note-1414. ↑ Lada Braschowanowa: Bulgarien. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Sachteil 2, BĂ€renreiter, Kassel 1995, Sp. 258–267, hier Sp. 262
cite-note-1515. ↑ Christo Vakarelski: Bulgarische Volkskunde, 1969, S. 194